Über tragische Verluste und die Sache mit der Dankbarkeit

oder: Der trotzigmutige Entschluss den Blick zum Guten hin zu wenden


Die letzten Wochen waren wohl die Schwersten bisher in meinem Leben: ich habe meine geliebten Bruder im Alter von 50 Jahren verloren! Die eigene Trauer darüber und das Wissen was für eine riesen Lücke er vor allem bei seiner Frau und seinen 4 Kindern hinterlässt hat alle Normalität genommen, vieles was bisher wichtig erschien in ein neues Licht gerückt und viele Fragen aufgeworfen.

Noch immer bin ich fassungslos und traurig, erinnere mich aber in den letzten Tagen immer mehr an meine eigentlich immer dankbare und positive Lebenseinstellung,  Wie oft habe ich Dankbarkeit proklamiert, schöne Naturbilder, tolle Ereignisse und Kleinigkeiten gepostet, eine DankBar installiert in der Familie… All das habe ich immer ernst gemeint und tiefe Dankbarkeit empfunden, dabei aber nicht für möglich gehalten, dass genau dies mir selber in einer so schweren Zeit so viel Halt und Kraft geben kann.

Gestern Morgen beim täglichen Gang zu unserer TauschBar (um zu schauen ob es was aufzuräumen… gibt) wurde ich wundervoll überrascht: 3 Sträuße Rosen standen da frisch geschnitten in Wassergläsern … sicherlich hatte die erst wenige Minuten vorher jemand aus der Nachbarschaft da reingestellt. Ich überlegte kurz ob ich die wohl nehmen oder besser für andere stehen lassen sollte, beschloss dann aber, alle 3 an mich zu nehmen und wenige Meter weiter vor unserer Haustüre zu dekorieren. Wieder im Haus zurück musste ich mir einige Tränen der Freude und der Rührung weg wischen weil ich so unerwartet liebevoll beschenkt worden war.

Abends dann als ich im Bett lag wurde mir klar, dass ich schon seit Wochen keinen Zettel mehr in unsere DankBar gesteckt hatte und plötzlich zogen Bilder an meinem geistigen Auge an mir vorbei wieviel Schönes und Gutes meine Familie und ich in den letzten Wochen erleben durften, ich das aber in diesen Momenten gar nicht so sehen konnte.

Da waren die lieben Worte von Herzensmenschen unmittelbar nach dem Tod meines Bruders, wohltuende Umarmungen, Blumensträuße von lieben Freundinnen und Nachbarn, der Besuch des Patenkindes mit einer kleinen Pflanze und einem gemalten Herzen auf dem Topf „damit du nicht mehr so traurig bist“…. Es gab aber auch ganz viele tolle Momente so völlig losgelöst vom Tod meines Bruders wie eine neue und erstmalig richtig gute, gleichaltrige und ihr so ähnliche Freundin für unsere geistig behinderte Tochter, der erhoffte weiterführende Schulplatz für unser Wunderkind 4, eine tolle Geburtstagsparty der Endlich-Teenietochter und einiges mehr. 9 Kärtchen konnte ich alleine heute Morgen beschriften und in die DankBar stecken an die  ich noch vor 2 Tagen nicht gedacht hätte…

„Die Welt dreht sich immer weiter auch wenn sie für dich gerade still zu stehen scheint“ haben mir viele gesagt.. und ja die Welt dreht sich immer weiter, der Alltag geht weiter, das Leben geht weiter, das Leid in der Welt geht weiter, Kriege gehen weiter, Fröhlichkeit und Lachen gehen weiter, neues Leben entsteht und immer wieder  wird es Erlebnisse geben in unserem Leben die sehr einschneidend sind und unsere persönliche Welt erschüttern und sie stillstehend erscheinen lassen.

Vermutlich ist es eine Willensentscheidung trotzigmutig den Blick immer wieder hin zum Guten zu wenden.

Eine gute Freundin schrieb mir vor einigen Tagen: „Ein Senfkorngroßer Restglaube reicht jetzt Kathrin. Da wo du nicht mehr glauben kannst, da wo du nicht mehr beten kannst glaube ich gerade für dich und bete ich für dich weil ich selber schon so oft erleben durfte wie ich getragen wurde von Freunden!“.

Das ist dann wohl das gelebte Bild von dem Gleichnis über tragfähige Freundschaften in der Bibel (Markus 2). Hier geht es um 5 Freunde. Ihre Freundschaft und ihr Glaube, dass Jesus ihren gelähmten Freund heilen kann, ist so stark, dass 4 von ihnen zu Mattenträgern und Dachabdeckern werden…..

Wie wichtig es ist, solche Freunde im Leben zu haben wird ganz deutlich wenn dir selber die Kraft ausgegangen ist.

Schon ein paar Jahre begleitet mich das Lied „Joy“ von For King and Country.. „I choose Joy“ ist die Kernaussage und was ich oft so easy, fröhlich und lautstark mitgesungen haben ist momentan eher ein weinerlich, krächzendes und flehendes „ich möchte die Freude und Dankbarkeit wählen, das Gute sehen und mich daran klammern Gebet“.

Ich wünsche uns allen tragfähige Freundschaften, dass wir diese für uns erleben dürfen und selber zu tragfähigen, verlässlichen Freunden werden (oder es bleiben wo wir da vielleicht schon seit Jahren sind und manchmal die Kraft auszugehen scheint).


Joy – For King and Country

Lately, I’ve been reading, watching the nightly news
Don’t seem to find the rhythm, just wanna sing the blues
Feels like a song that never… stops
Feels like it’s never gonna

Gotta get that fire, fire, back in my bones
Before my heart, heart, turns into stone
So somebody please pass the megaphone
I’ll shout it on the count of three
One, two, three

Oh, hear my prayer tonight, I’m singing to the sky
Give me strength to raise my voice, let me testify
Oh, hear my prayer tonight, ‚cause this is do or die
The time has come to make a choice

And I choose joy
Let it move you, let it move you, let it move you
Yeah, I choose joy
Let it move you, let it move, let it move you

Yeah-eh, back when I was young, my eyes were full of life
But now that I am older, I live at the speed of light
Feels like the cycle never… stops
Feels like it’s never gonna

Though I walk through the valley of the shadow of night
Oh, with You by my side, I’m stepping into the light
I choose joy
Let it move you, let it move, let it move you

I need that joy, joy, joy, joy
Down in my heart, down in my heart to stay
I need that joy, joy, joy, joy
Down in my heart, down in my heart to stay

And I choose joy
Let it move you, let it move, let it move you
Oh, I choose joy
Let it move you, let it move, let it move you

Down in my heart, down in my heart to stay

11 Kommentare

  1. Kurt Hoffmann-Rollauer

    Welch grosse Kraft und sich getragen -wissen stecken in diesen Worten Danke Katrin. Wir grüßen und fühlen uns mit Euch, mit der Familie verbunden. Besondere Grüße an die Eltern u

  2. Elke Mill

    Liebe Cousine Kathrin,
    Danke dass du uns an deinen Gedanken teilhaben lässt.
    Your’ll never walk alone
    In Erinnerung an tolle Erinnerungen lebe Grüsse von Elmi

  3. Martha Scheible

    Liebe Kathrin
    Bei all deinen Gedanken fällt mir gleich das deutsche Paul Gerhard Lied ein:
    In dir ist Freude in allem Leide…
    Ich wünsche dir und deinen Familien viel Kraft und Zuversicht.
    Martha Scheible aus Schornbach

  4. Carina Nagele

    Liebe Kathrin,
    Du hast mich mal wieder zu Tränen gerührt. Du schreibst so wundervoll und einfühlsam.
    Auch wir waren in den vergangenen Wochen mit unseren Gedanken und Gebeten bei eurer Familie. Wir wünschen euch allen viel Kraft für die weitere Zeit.
    Es ist so anrührend mitzubekommen wie liebevoll ihr alle miteinander umgeht und um euch kümmert. So wie es in einer Familie sein soll. Ihr lebt die richtigen Werte – Liebe, Herzlichkeit, Dankbarkeit, Vertrauen und noch vieles mehr. Wir freuen uns euch zu kennen. 🙂 Konrad&Carina

    • Danke euch Lieben! Ja ich bin mega dankbar für eine intakte Familie und wünsche allen bei denen es nicht so ist, dass sie es schaffen sich zu versöhnen bevor es dafür zu spät ist….

  5. Amelie Rademacher

    Liebe Kathrin,
    Du hast das alles , was du gerade durch machst mit so viel Weisheit und Liebe verflochten. Es ist erstaunlich welche Dinge sich daraus entwickeln, das bezieht sich auf die Rosensträusse. Zum Glück hast du sie dann auch genommen. Sie waren für dich und deine Situation.
    Ganz liebe Grüsse von Amelie
    Ich bin eine Freundin von Elke und von ihr habe ich den Link bekommen

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