Happy belated  Birthday liebe TauschBar

Am 19.2. wurde unsere TauschBar 1 Jahr alt.

Zum Start 2021 hatte ich gepostet, dass wir uns von dieser Idee erhofften, dass viele Herzen dadurch erfreut würden!

Ein Jahr danach könnte ich ein ganzes Buch über die Erlebnisse mit dieser kleinen Hütte vor unserer Haustüre schreiben.

Kein Tag vergeht, an dem sich unsere TauschBar nicht füllt und leert. Täglich schauen wir als Familie nach ihr, sortieren die Dinge darin, staunen oft über all die Schätze darin, entnehmen selber super tolle Sachen und stellen viel hinein.  Diese kleine Hütte ist eine richtige Schatztruhe geworden, die weit über unseren Stadtteil bekannt ist!

Die TauschBar war gedacht als Möglichkeit, Dinge zu tauschen, nicht mehr benötigte Sachen sinnvoll weiter zu geben, anderen Menschen eine Freude zu bereiten, Ressourcen zu schonen…  Dass diese kleine Hütte aber noch so viel mehr schenken würde – nämlich zahlreiche Gespräche und Begegnungen- hätten wir nie für möglich gehalten!

Kaum ein Tag vergeht an dem wir nicht mindestens ein Gespräch an dieser TauschBar führen.


Ein paar der schönsten Erlebnisse möchte ich mit Euch teilen:

Schon wenige Tage nach der Eröffnung sprach mich ein Nachbar an, der bisher nicht einmal ein Hallo von mir erwidert hatte. Er sagte wie spannend er das fände mit dem Schrank und er hoffe, dass die wilden Jugendlichen ihn nicht zerstören würden. Dass diese TauschBar auch den Austausch mit den Nachbarn erleichtern und fördern würde hatte ich gar nicht erwartet, freute mich aber deshalb umso mehr darüber.

Da ist dieses junge Mädchen das fast täglich am Nachmittag an der TauschBar steht und darin stöbert. Vor ein paar Monaten als ich gerade aus dem Haus kam sprach sie mich an ob mir der Schrank gehöre und ob ich hier wohne. Wir redeten eine Weile und sie erzählte mir von ihrer Familie, der kleinen Wohnung, der alleinerziehenden Mutter, den vielen Geschwistern und dass sie hier bisher jeden Tag was gefunden habe was sie super nutzen könnten, wie zB der Toaster der schon so lange zuhause kaputt war und nun ein neuer hier stand oder das noch original verpackte Holz-Elefantenpuzzle für den 2jährigen Bruder der sich so sehr gefreut habe.

Noch ein täglicher Gast ist eine ältere Dame auf dem bunten Fahrrad mit einem lustigen Hut. Im Sommer erzählte sie mir,  ganz zufällig einmal hier vorbei gekommen zu sein und nun wäre es ihre Nachmittagsroutine hier her zu radeln (einmal durch die ganze Stadt) um für sich und ihre Enkel zu stöbern „weil ja die kleine Rente gerade so zum Überleben reicht“.

Immer wieder wenn ich Belegexemplare von Zeitungen (mit Artikeln von mir darin) übrig habe lege ich diese auch in die TauschBar und war mir länger nicht sicher ob jemand diese Zeitungen nehmen und dann auch noch darin lesen würde. Eine Nachbarin hatte vor der TauschBar– Zeit noch nie ein Wort mit mir gewechselt, unsere Lebenswelten schienen so völlig verschieden und wir uns so fremd. Vor ein paar Monaten sprach sie mich dann vor der TauschBar an und sagte, sie kenne uns ja nun so viel besser dank der Zeitungsartikel, ihre Tochter sei auch so ein Upcycling-Fan und mache viel selber und wir kamen ins Gespräch. Seither reden wir kurz wenn wir uns sehen, lächeln uns an und sind uns plötzlich so viel weniger fremd- und ich staune und bin dankbar über diese lustige Führung Gottes, dass es dafür eine Zeitschrift  und eine kleine Hütte brauchte.

Schon 2 Mal erzählten mir fremde Menschen, dass sie die TauschBar so genial fänden und ihre Kinder nun auch so eine Hütte vor ihrem Haus aufgestellt hätten. Das hätte ich nie erwartet. Auch Freunde haben die Idee übernommen und das freut mich besonders, weil wir ja als Familie so beschenkt sind durch unsere TauschBar und ich sicher bin, dass es all den Nachahmern ähnlich ergehen wird.

Johann Wolfgang Goethe hatte schon vor vielen Jahren die Erkenntnis:

„Willst du glücklich sein im Leben, trage bei zu and’rer Glück,

denn die Freude, die wir geben, kehrt ins eig’ne Herz zurück.“

Eine der emotionalsten Momente hatte ich im Advent. Gerade war ich am Sortieren der TauschBar und freute mich über ein paar schöne, hochwertige Mäntel darin. Ich wollte sie gerade an die Häkchen der Tür hängen als eine ältere Dame sich zaghaft der TauschBar näherte. Die Dame schaute etwas verlegen und ich spürte, dass sie nicht so richtig wusste was sie nun sagen oder tun sollte. So sprach ich sie direkt an: „Herzlich Willkommen, gerne dürfen Sie schauen ob Ihnen hier etwas gefällt und es dann mitnehmen.“ Die Frau kam näher, sagte sie habe aber nichts zum Hineinlegen, woraufhin ich ihr erklärte, dass dies auch nicht nötig sei. Der weisse Mantel in meiner Hand konnte natürlich nicht sprechen aber ich hatte den Eindruck ich sollte ihn dieser Dame anbieten. So sagte ich: „Wollen Sie vielleicht diesen Mantel einmal anprobieren? Er ist ganz neu hier in der TauschBar und ich bin sicher, er würde ihnen passen und ausgezeichnet stehen.“ Die Dame zog immer noch etwas zögerlich aber auch sichtlich freudig ihre Jacke aus uns probierte den Mantel an, der ihr wie angegossen passte. Sie fragte, ob sie nun wirklich diesen Mantel mitnehmen dürfe und ich sagte ihr: „Den MÜSSEN Sie nehmen, der hat hier auf Sie gewartet. Das ist schon mal ein Vorab-Weihnachtsgeschenk“. Die Dame war sichtlich gerührt und sagte: „Sie können sich gar nicht vorstellen wie sehr ich mich freue. Ich habe keine Verwandten und das wird mein einziges Weihnachtsgeschenk bleiben und ich freue mich so sehr darüber!“.

Leider musste ich los und habe die Dame bis heute nicht wieder gesehen, hätte ich sie doch so gerne zu einem Tee oder Kaffee eingeladen. Es erfüllt mich mit Traurigkeit, dass die Einsamkeit vieler Menschen so nah ist und ich bin dankbar, dass dieses Erlebnis mir das so klar vor Augen geführt hat.

Kaum ein Tag vergeht an dem ich nicht an diese Frau denke und an viele weitere Gespräche und die dahinter steckenden Biografien.

Vielleicht stellen wir im Frühling einfach eine Bank neben die TauschBar und nennen sie AusTauschBank… ich werde euch auf dem Laufenden halten.

Artikel im andersleben Magazin Mai 2021

3 Kommentare

  1. Barbara Witzig

    Schade, dass wir schon zu alt sind und nicht mehr den Mut und die Energie haben , diese Superidee nach zu ahmen. Weiterhin so viele bereichernde Erlebnisse und das gute Gefühl geholfen zu haben und zu helfen.

  2. Heiderose Penke

    Diese Tauschregale sind eine super Idee. Es findet sich immer jemand der was gebrauchen kann.

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