Nachhaltiger Leben

Wie alles begann

Den Tag X, an dem wir beschlossen, unser Leben komplett umzustellen, gibt es nicht. Nachhaltiger zu leben, war eine langsame Entwicklung, die uns auch heute mal mehr und mal weniger gut gelingt. Ein nachhaltigeres Leben verstehe ich dabei allumfassend: Es geht mir nicht nur darum, weniger gelbe Säcke an die Straße zu stellen, um mich gut zu fühlen. Mein Herzensanliegen ist, die Menschen hinter den Produkten zu sehen, weniger Ressourcen zu verbrauchen, so gut es eben geht nicht auf Kosten anderer zu leben, soziale Gerechtigkeit zu fördern und dabei realistisch weiter unseren Familienalltag mit meinem Mann Frank und unseren sechs Kindern zwischen eins und 19 Jahren zu leben. Anfänglich war ich die treibende Kraft unseres Wandlungsprozesses. Inzwischen ist es ein Familienprojekt – oder vielmehr eine Familienhaltung – geworden.

#wenigermüllimhauselederer[1]

Ich stellte und stelle mir noch immer die Fragen:

Wie kann ich mein und unser Familienleben nachhaltiger gestalten? Auf was kann ich beim Einkaufen achten, wo Müll vermeiden, alte ungenutzte Ressourcen nutzen indem ich sie aufpimpe, upcycle? Sicher kennt ihr diese Fragen. Mir macht es großen Spaß, selber Sachen herzustellen und mich dann daran zu erfreuen, andere damit zu beschenken….

„In Deutschland gehen pro Jahr über 18 Millionen Tonnen Nahrungsmittel verloren… Am Beispiel Brot kann man das gut verdeutlichen:

Jede fünfte Backware landet hierzulande im Müll. Das sind 1,7 Millionen Tonnen. Das entspricht der Ernte eines Ackers größer als die Fläche von Mallorca…. 60 % der Verluste (von den 18 Millionen Tonnen jährlich)entstehen entlang der Wertschöpfungskette – vom Produzenten bis hin zum Großverbraucher (Supermärkte, Gastronomie, Gemeinschaftsverpflegung wie Kantinen, Krankenhäuser, Gefängnisse, Schulen). 40 % wird in Privathaushalten weggeworfen.

Das ist die Menge, die wir am einfachsten mit unserem eigenen Koch-und Konsumverhalten beeinflussen können. Ich sage „am einfachsten“, denn ganz machtlos sind wir auch im 60%-Bereich nicht:

Wir können Initiativen/Petitionen/Parteien/NGOs/Unternehmen unterstützen, die den Status quo der Industrie und Gemeinschaftsverpflegung reformieren wollen, Verbraucherentscheidungen für oder gegen bestimmte Läden fällen, diese Informationen in unserem sozialen Umfeld verbreiten. Aber vor allem können wir zu Hause anfangen. In der eigenen Einkaufstasche. Erster Schritt: Tasche statt Tüte.“[2]

Wir begannen als Familie damit, Schokolade und Brotaufstrichen nur noch fair gehandelt zu kaufen. Die Kinder haben es sich inzwischen zur Challenge gemacht, wer zuerst die Fairtrade-Marken im Regal findet. Wir beschäftigten uns damit, woher Obst und Gemüse kommen und verzichten beispielsweise auf weit gereiste Erdbeeren im Winter. Für mich war es irgendwann eine logische Konsequenz, Vegetarierin zu werden. Der Rest der Familie isst nun sehr wenig und dafür gutes Fleisch direkt vom Erzeuger. Und dank Milchtankstelle und Supermärkten, in denen man eigene Dosen mitbringen kann, ist es mittlerweile viel einfacher geworden, nachhaltig einzukaufen. Vor allem in den überall eröffnenden Unverpacktläden hole ich mir ganz viele Ideen und auch als Neuling kann man ganz unkompliziert mit zwei bis drei Produkten anfangen, die man sich abfüllt. Das Internet ist voll mit guten Seiten die das Thema Nachhaltigkeit in den unterschiedlichsten Lebensbereichen aufgreifen und auch hier kann ich sehr viel lernen.

Ich wünsche mir, dass wir es als Eltern durch praktisches Vorleben schaffen, unsere Kinder dafür zu sensibilisieren, woher unsere Nahrung kommt und dass es viele Menschen gibt, die es so viel schlechter haben als wir. Ich würde ihnen gern zeigen, dass wir einen kleinen Beitrag leisten wollen, um diese Ungerechtigkeit zu lindern zum Beispiel durch unser nachhaltigeres Leben, aber auch durch Kinderpatenschaften, Spenden an Hilfsprojekte und unsere Gebete. 


[1] Unter dem #wenigermüllimhauselederer poste ich bei Instagram Rezepte und Ideen und Fotos von deren Umsetzung

[2] Zero Waste Küche, Sophia Hoffmann, 2019 ZS Verlag GmbH,  4. Auflage 2020, Seite 14

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