dielederers

oder: Shopping mit Aufklärungspotential


2015, Samstag Morgen in Norddeutschland. Ich stehe  mit meiner Tochter Lena (damals 6 Jahre) und einem voll gepackten Einkaufswagen in einer endlos langen Schlange an der Kasse unseres Lieblingssupermarktes mit vielen vielen gestresst scheinenden MitbürgerInnen und freue mich über diesen exklusiven „mit-einem-Kind-alleine-unterwegs-Sein-Moment“ während die damals noch 3 Kinder weiteren Kids mit Papa im Garten werkeln. Lena und ich gehen gerne zusammen einkaufen. Zu schauen was es alles so gibt und zu überlegen was man daraus alles zaubern kann  finden wir toll – ja wir lieben es beide sehr zu kochen und vor allem zu essen. Ich freue mich über diesen Morgen und während ich noch einmal in Gedanken durchgehe ob wir tatsächlich alles im Wagen haben  was wir benötigen höre ich aus der Warteschlange hinter mir eine Stimme einer älteren Dame und drehe mich um. Die Dame hat ein Päckchen Hefe in der Hand und gibt sie Lena mit den Worten „Schau mal Kleine, das ist aus Eurem Wagen gefallen. Gib das mal deiner Mama.“ Lena wirft die Hefe lässig in den Wagen und antwortet „Das ist gar nicht meine richtige Mama. Also ich hab ja 2 Mamas….“

Ich werde vermutlich etwas rot, wohlwissend dass jetzt ein Vortrag von Lena erfolgen wird zum Thema Adoption und Pflegekinderwesen den ich nicht zu stoppen vermag. Ich kann meiner Tochter jetzt  ja nicht den Mund zuhalten und will es auch nicht weil  ich es ja auch irgendwie toll finde wie offen sie mit dieser Thematik umgeht. Und da es jetzt auch keine Chance mehr auf Flucht gibt in dieser Warteschlange, in der wir jetzt die gesamte Aufmerksamkeit aller Anwesenden haben, lasse ich sie gewähren.

Lena setzt ihren Vortrag unbeirrt und ohne Punkt und Komma fort.

„… also ich hab hier meine Herzmama, bei der leb ich. Ich hab ja auch noch einen Herzpapa und 3 Geschwister. Die haben alle eine andre Bauchmama und einen andren Bauchpapa wie ich. Trotzdem sind es meine Geschwister. Aber wir haben alle auch noch andre Geschwister die bei anderen Herzeltern leben. Geboren wurde ich von meiner Bauchmama. Die hatte auch einen Freund, der ist mein Bauchpapa aber die waren zu jung um sich um mich zu kümmern und deshalb bin ich dann zu meinen Herzeltern gekommen.“

Die hilfsbereite Frau, die uns eigentlich nur das Päckchen Hefe geben wollte wirkt etwas überfordert mit all dieser Information und auch die anderen MithörerInnen wissen offensichtlich nicht so richtig wo sie hin sollen mit sich und kramen irgendwie auffällig unnötig in ihren Einkaufswägen. Ich sage zu Lena und irgendwie auch zu all den Anderen, dass sie das sehr toll erklärt habe, ich aber denke dass es nun genug an Information sei und wir doch nun auch gleich unsere Waren auf das Band legen könnten und sie mir dabei eine große Hilfe wäre. Lena scheint sehr zufrieden mit sich selbst und dreht sich fröhlich zu mir um, um direkt zum nächsten wichtigen Thema überzugehen: all die leckeren Süßigkeiten die da so rechts und links neben uns liegen und sie doch so schlimmen Hunger hat.

Ich liebe meine Tochter und ehrlich, wir gehen sehr offensiv und ehrlich mit der Situation um, dass wir 4 Kinder angenommen haben aber irgendwie gibt es Momente wo ich nicht unbedingt darüber reden will beziehungsweise ich nicht unbedingt die komplette Aufmerksamkeit einer Supermarktgemeinschaft haben möchte.

Darf ich uns also hier ganz offiziell und freiwillig, fernab der Supermarktschlange meine Familie vorstellen? Gerne möchte ich das in den folgenden Post immer wieder mal und in kleinen Portionen versuchen.

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